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„Software Eats the World“ ist ein allgemein bekannter Spruch. Und tatsächlich scheint sich diese Prognose zu bewahrheiten. Nur ist es heute nicht mehr primär die Software, welche unsere Wirtschaft und Gesellschaft verändert, sondern die Künstliche Intelligenz selbst.
Der Bedarf an KI-Leistung explodiert förmlich. Der Anteil von Rechenzentren am US-Stromverbrauch ist innerhalb weniger Jahre von rund 4 % auf etwa 8 % gestiegen. Gleichzeitig schreiben die großen GenAI-Anbieter weiterhin massive Verluste. Selbst Premium-Abonnements wie ChatGPT Pro für 200 Dollar pro Monat scheinen die tatsächlichen Infrastruktur- und Energiekosten kaum vollständig abzudecken.
Wir befinden uns deshalb in einer ungewöhnlichen Situation: Die Nachfrage nach KI wächst exponentiell, während die verfügbaren Strom- und Rechenkapazitäten nicht im gleichen Tempo ausgebaut werden können. Neue Kraftwerke, Stromnetze und Rechenzentren entstehen nicht über Nacht.
Diese Entwicklung wird zwangsläufig wirtschaftliche Konsequenzen haben. Wenn eine Ressource knapp wird, steigt ihr Preis.
Ich gehe deshalb davon aus, dass wir bereits in naher Zukunft deutliche Preiserhöhungen bei vielen KI-Diensten sehen werden. KI wird teurer werden. Unternehmen mit ausreichend Budget werden weiterhin Zugang zu den leistungsfähigsten Modellen erhalten. Kleinere Unternehmen und Privatpersonen werden entweder höhere Preise bezahlen oder mit begrenzteren Ressourcen auskommen müssen.
Die Zeit der nahezu unbegrenzt verfügbaren und gleichzeitig günstigen KI-Leistung könnte schneller enden, als viele heute erwarten.
Genau hier entsteht jedoch ein möglicher Ausweg.
Nicht jeder Anwendungsfall benötigt ein riesiges Sprachmodell, das komplexe philosophische Konzepte erklären oder wissenschaftliche Arbeiten analysieren kann. Die meisten alltäglichen Aufgaben lassen sich auch von deutlich kleineren Modellen erledigen.
Deshalb erwarte ich in den nächsten zwei Jahren einen massiven Trend hin zu lokaler KI auf Endgeräten. Smartphones, Laptops und Arbeitsplatzrechner werden zunehmend eigene KI-Modelle ausführen. Nur für besonders komplexe Aufgaben wird bei Bedarf auf leistungsstarke Cloud-Modelle zurückgegriffen.
Diese Entwicklung bringt nicht nur wirtschaftliche Vorteile mit sich, sondern auch erhebliche Datenschutzvorteile.
Zumindest für mich klingt es deutlich attraktiver, wenn Bankdaten, Gesundheitsinformationen oder juristische Dokumente von einem lokal installierten KI-Agenten verarbeitet werden, anstatt diese Informationen an ChatGPT, Gemini, Claude oder andere Cloud-Dienste zu senden.
Die spannendste Folge dieser Entwicklung ist jedoch eine andere.
Wenn jeder Mensch dauerhaft einen persönlichen KI-Assistenten auf seinem Gerät besitzt, wird dieser Assistent über die Jahre immer mehr über seinen Besitzer lernen. Er kennt Kommunikationsstile, Vorlieben, Gewohnheiten, Entscheidungen und Wissensgebiete.
Ich glaube deshalb, dass sich diese Assistenten schrittweise zu digitalen Zwillingen entwickeln werden.
Irgendwann wird es für Außenstehende kaum noch erkennbar sein, ob sie mit mir oder mit meinem KI-Zwilling kommunizieren. Und vielleicht werde selbst ich nicht mehr immer genau unterscheiden können, ob eine Idee ursprünglich von mir stammt oder von meinem digitalen Begleiter vorgeschlagen wurde.
Die Verschmelzung zwischen menschlicher und digitaler Identität erscheint mir deshalb nicht als Science-Fiction, sondern als logische Weiterentwicklung der aktuellen Technologie.
Die Geburtsstunde des Cyborgs liegt möglicherweise näher, als viele denken.
Vielleicht erklärt genau das auch, warum Mark Zuckerberg öffentlich davon spricht, digitale KI-Versionen von Menschen zu entwickeln. Die technologische Richtung ist bereits klar erkennbar.
Aus diesem Grund würde ich in den kommenden Jahren ein besonderes Augenmerk auf Apple und Tesla legen, und auf Google sowieso.
Während viele KI-Unternehmen primär Software- oder Cloud-Anbieter sind, verfügen Google, Apple und Tesla über etwas anderes: die direkte Kontrolle über Hardware, welche über die CPU/NPU’s hinaus geht.
Wenn die Zukunft tatsächlich in Richtung lokaler KI und persönlicher digitaler Assistenten geht, werden genau jene Unternehmen profitieren, die Hard- und Software aus einer Hand liefern können.
Die entscheidende Plattform der Zukunft könnte nicht das Rechenzentrum sein, sondern das Gerät in unserer Tasche, auf unserem Schreibtisch oder in unserem Fahrzeug.
Als Cybersecurity-Unternehmer betrachte ich diese Entwicklung natürlich auch aus einer anderen Perspektive.
Wenn sich persönliche KI-Assistenten tatsächlich zu digitalen Zwillingen entwickeln, entsteht eine völlig neue Realität: Die Trennung zwischen dem Menschen aus Fleisch und Blut und seiner digitalen Erweiterung wird zunehmend verschwinden.
Heute schützen wir Identitäten, Accounts, Geräte und Daten. Morgen müssen wir zusätzlich digitale Zwillinge schützen, die in unserem Namen kommunizieren, Entscheidungen vorbereiten, Informationen verarbeiten und möglicherweise sogar eigenständig handeln.
Dabei entsteht ein interessantes Problem: Wenn ein digitaler Zwilling meine Denkweise, mein Wissen, meine Sprache und meine Präferenzen perfekt abbildet, wird es immer schwieriger zu unterscheiden, wo der Mensch aufhört und die KI beginnt.
Aus Sicht der Cybersecurity bedeutet das eine fundamentale Veränderung. Der Schutz des Menschen und der Schutz seiner KI werden faktisch zur gleichen Aufgabe.
Ein Angriff auf meinen digitalen Zwilling ist letztlich ein Angriff auf mich. Eine Manipulation meiner KI bedeutet gleichzeitig eine Manipulation meiner digitalen Identität. Und wenn ein Angreifer meinen KI-Assistenten kompromittiert, besitzt er möglicherweise einen direkteren Zugang zu meinem Leben, als es heute durch einen kompromittierten Account jemals möglich wäre.
Die Konsequenz daraus ist weitreichend: Cybersecurity wird sich zunehmend vom Schutz einzelner Systeme hin zum Schutz hybrider Identitäten entwickeln – einer Kombination aus Mensch und KI.
Vielleicht werden wir in einigen Jahren nicht mehr zwischen Human Security und AI Security unterscheiden. Beides wird dasselbe sein. Und werden Awareness oder Behavioral Defense Engineering nach wie vor nötig sein? Ich glaube auf jeden Fall, der Mensch wird noch viel stärker zur Angriffsfläche werden, mit oder digitalem Zwilling.
Meine Prognose ist relativ klar:
Die nächste große KI-Welle wird nicht ausschließlich aus immer größeren Modellen in gigantischen Rechenzentren bestehen. Stattdessen werden kleinere, spezialisierte und lokale KI-Modelle massiv an Bedeutung gewinnen.
Und wenn jeder Mensch einen persönlichen KI-Assistenten erhält, ist der Schritt zum digitalen Zwilling nicht mehr besonders groß.
Die Zukunft der KI könnte deutlich persönlicher, lokaler und menschennäher werden, als viele heute erwarten.
So Long, Palo
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