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NIS2 ist im Budget – aber noch nicht in den Systemen

Veröffentlichungsdatum:

Eine neue Studie von CIO / CSO / Computerwoche (basierend auf 324 Interviews mit leitenden IT-Entscheidungsträgern in der DACH-Region, durchgeführt im November–Dezember 2025) zeichnet ein klares Bild: NIS2 verändert grundlegend, wie Organisationen über Cybersicherheit denken. Doch zwischen Compliance und tatsächlicher Resilienz klafft weiterhin eine deutliche Lücke.

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Erkenntnisse – und was sie für Ihre Security-Awareness- und Human-Risk-Strategie bedeuten.

Stand der NIS2-Umsetzung

NIS2 ist in Kraft. Die Frist ist abgelaufen. Dennoch bleibt die Lücke zwischen Betroffenheit und tatsächlicher Vorbereitung erheblich.

66%

der von NIS2 betroffenen Organisationen haben die Richtlinie noch nicht vollständig umgesetzt.
Nur 34 % berichten über vollständige Compliance. Weitere 10 % können nicht einmal feststellen, ob sie überhaupt betroffen sind.

47%

empfinden die Umsetzung von NIS2 als schwierig oder sehr schwierig. Nur 15 % berichten von geringen Hürden. Die größten Herausforderungen sind der hohe Umsetzungsaufwand (39 %), die komplexen Anforderungen (39 %) sowie unklare regulatorische Abgrenzungen (34 %).

Das bedeutet, dass ein großer Teil der betroffenen Organisationen im Rückstand ist – nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil die Richtlinie operativ schwer umzusetzen ist. Unklare Abgrenzungen, Überschneidungen mit DORA im Finanzsektor und begrenzte interne Kapazitäten tragen dazu bei.

Der Human-Risk-Blind Spot

Jeder Angriffsvektor beginnt mit Social Engineering

Eine der zentralen Erkenntnisse der Studie: Alle großen Angriffsvektoren können (und tun es typischerweise auch) mit Social Engineering beginnen. Phishing ist nicht nur eine Bedrohung unter vielen – es ist der Einstiegspunkt zu nahezu allem anderen.

Mehr als die Hälfte der Befragten sieht Industriespionage als eine der größten Bedrohungen. Doch wenn es um Schulungen der „Human Layer“ geht, zeigen die Zahlen ein anderes Bild:

Nur 43,5 %

der Organisationen bieten verpflichtende NIS2-Management-Schulungen an. 37 % stufen sie weiterhin als freiwillig ein. In 11 % der Unternehmen existieren solche Schulungen überhaupt nicht.

56%

nennen „aktuelle Bedrohungen“ als häufigsten Schulungsinhalt – und damit die häufigste verpflichtende Kategorie der Security-Trainings in der Studie. Dennoch bezweifeln Awareness-Spezialisten, ob allgemeine Bedrohungsschulungen tatsächlich zu einer Verhaltensänderung führen.

Schulungen, die zwar informieren, aber kein Verhalten verändern, lassen die menschliche Sicherheitslage weiterhin angreifbar. Zu wissen, wie eine Phishing-E-Mail „im Prinzip“ aussieht, ist nicht dasselbe wie trainiert zu sein, sie unter Zeitdruck zuverlässig zu erkennen und zu melden.Schulungen, die zwar informieren, aber kein Verhalten verändern, lassen den Faktor Mensch weiterhin angreifbar. Zu wissen, wie eine Phishing-E-Mail „im Prinzip“ aussieht, ist nicht dasselbe wie trainiert zu sein, sie unter Zeitdruck zuverlässig zu erkennen und zu melden.

Lieferkettenrisiko – erkannt, aber unterbewertet

NIS2 verlangt ausdrücklich, dass Organisationen die Sicherheit ihrer Lieferketten aktiv steuern. Die Studie zeigt hier jedoch eine deutliche Lücke:

  • Mehr als 85 % geben an, dass die Umsetzung von NIS2 zu einem größeren Lieferantenportfolio führt – mehr Zulieferer bedeuten mehr Angriffsfläche.
  • Nur ein Drittel der Befragten sieht Risiken in der Lieferkette als kritisches Handlungsfeld, obwohl dies eine explizite NIS2-Anforderung ist.
  • Die Anzahl der Lieferanten wächst statt zu schrumpfen – und damit vergrößert sich die Angriffsfläche, obwohl Organisationen gleichzeitig versuchen, sie abzusichern.

Viele Organisationen sind damit beschäftigt, die formalen Anforderungen von NIS2 zu erfüllen, und verlieren dabei den eigentlichen Schutzzweck der Richtlinie aus dem Blick – insbesondere die Schwachstellen in der Lieferkette gehören dabei zu den kritischsten Risiken.

KI in der Cybersicherheit – und das „Skynet“-Problem

Die Einführung von KI schreitet schnell voran. Die Studie zeigt, dass bereits zwei Drittel der Organisationen KI intensiv nutzen und drei Viertel ihren KI-Einsatz weiter ausbauen – die Hälfte davon sogar signifikant. Das erklärte Ziel des KI-Einsatzes in der Cybersicherheit? Vollautomatisierte Security-Operationen. Das ist keine ferne Vision mehr – sondern bereits die klar formulierte Entwicklungsrichtung eines erheblichen Teils der Befragten.

10 % insgesamt – 17 % bei grossen Unternehmen

wünschen sich vollständig autonome Sicherheit ohne menschliche Eingriffsmöglichkeiten. Bei Organisationen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden ist fast jedes fünfte Unternehmen bereit, den Menschen vollständig aus dem Security-Entscheidungsprozess zu entfernen.

Das ist bemerkenswert. Dieselbe Studie zeigt, dass über die Hälfte der Organisationen nicht einmal verpflichtende Sicherheitsschulungen etabliert hat – gleichzeitig ist jedoch ein signifikanter Teil bereits bereit, den Menschen vollständig aus sicherheitskritischen Entscheidungen herauszunehmen. Die Risiken dieser Kombination sind nicht theoretisch.

Die Ironie: Angreifer nutzen KI, um überzeugendere und stärker personalisierte Social-Engineering-Angriffe zu entwickeln. Die Antwort darauf sind besser geschulte Menschen – nicht weniger Menschen im Entscheidungsprozess. 😉

Wohin IT-Budgets 2026 fließen

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Investitionsbereitschaft im IT-Bereich hoch:

  • 49 % planen, ihre IT-Ausgaben deutlich zu erhöhen (um 10 % oder mehr).
  • 43 % planen, ihre Budgets zu halten oder moderat zu steigern.

Und der wichtigste Investitionsbereich? Informationssicherheit – mit 45,8 % liegt sie klar vor allen anderen Kategorien. Mit Blick auf den Zeitraum 2026–2029 zählen IT-Infrastruktur, Cloud, KI-Hardware und Cybersicherheit zu den vier wichtigsten Investitionsfeldern.

Security wird also nicht vernachlässigt. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, diese Investitionen auf die richtigen Problemfelder auszurichten – dazu gehört insbesondere auch die menschliche Ebene und nicht nur der technische Stack.

Compliance wird häufig als reine Dokumentationsübung behandelt – nicht als Programm zur Verhaltensänderung. Genau in dieser Lücke finden Angriffe statt. CYBERDISE wurde entwickelt, um diese Lücke zu schließen – unsere Lösung hat gezeigt, dass sich risikobehaftetes menschliches Verhalten um bis zu 60 % reduzieren lässt, wie eine gemeinsame Studie mit der Hochschule Luzern belegt ng hat gezeigt, dass sich riskantes Verhalten um bis zu 60 % reduzieren lässt, wie eine gemeinsame Studie mit der Hochschule Luzern belegt ( link).

Häufig gestellte Fragen

Wie viele der von NIS2 betroffenen Unternehmen haben die Richtlinie schon vollständig umgesetzt?

Laut der CIO/CSO/Computerwoche-Studie (324 IT-Entscheider aus der DACH-Region, Nov./Dez. 2025) sind es nur 34 Prozent. 66 Prozent haben NIS2 noch nicht vollständig umgesetzt, und weitere 10 Prozent wissen nicht einmal sicher, ob ihr Unternehmen überhaupt betroffen ist. Budget und Absicht sind vielerorts vorhanden – die tatsächliche Umsetzung hinkt hinterher.

Warum stufen so viele Unternehmen die NIS2-Umsetzung als schwierig ein?

47 Prozent der befragten IT-Entscheider bezeichnen die Umsetzung als herausfordernd. NIS2 hat den Kreis der verpflichteten Unternehmen deutlich erweitert, verlangt durchgängiges Risikomanagement samt Nachweispflichten und bindet Ressourcen, die in vielen IT-Abteilungen ohnehin knapp sind. Wer bislang kein ISMS betrieben hat, fängt praktisch bei null an.

Was zeigt die Studie zu Pflichtschulungen für Geschäftsführung und Mitarbeitende?

Nur 43,5 Prozent der Unternehmen führen die nach NIS2 vorgeschriebenen Management-Schulungen tatsächlich durch – obwohl diese Pflicht nicht delegierbar ist und persönlich haftungsrelevant sein kann. Bei den Trainingsinhalten dominiert mit 56 Prozent das Thema „aktuelle Bedrohungen“, während systematische Verhaltensänderung in der Breite der Belegschaft seltener im Fokus steht. Genau hier setzt Human-Risk-Management an.

Wie hängen NIS2 und DORA zusammen – gilt für Finanzunternehmen beides?

DORA ist eine EU-Verordnung und gilt unmittelbar für Banken, Versicherungen, Zahlungsdienstleister und deren kritische IT-Dienstleister; NIS2 ist eine Richtlinie, die erst über nationales Recht wirksam wird. Für Finanzunternehmen gilt DORA vorrangig als „lex specialis“, deckt aber nicht jeden Aspekt ab, sodass ergänzend NIS2-Anforderungen greifen können – in der Praxis oft zwei sich überschneidende Compliance-Prüfungen.

Warum bleibt die Lieferkette ein blinder Fleck bei NIS2?

Mehr als 85 Prozent der Studienteilnehmer berichten von einem gewachsenen Lieferantenportfolio – die Angriffsfläche über Dritte wächst spürbar. Gleichzeitig wird Supply-Chain-Risiko als unterschätzt beschrieben, obwohl NIS2 die Absicherung der gesamten Lieferkette explizit verlangt. Das trifft auch Unternehmen, die selbst nicht direkt betroffen sind, aber vertraglich von betroffenen Kunden in die Pflicht genommen werden.

Löst mehr IT-Budget das NIS2-Umsetzungsproblem?

Nicht automatisch. 49 Prozent der Unternehmen planen für 2026 deutlich höhere IT-Budgets, und Informationssicherheit ist mit 45,8 Prozent der am stärksten priorisierte Investitionsbereich. Budget allein schließt aber nicht die Lücke bei Prozessen, Nachweispflichten und vor allem beim „Faktor Mensch“ – gemeinsame Studien von Cyberdise und der Hochschule Luzern zeigen, dass gezieltes Human-Risk-Management das Risiko durch menschliches Fehlverhalten um bis zu 60 Prozent senken kann.

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